Eine verloren gegangene Stärke

Erinnerst du dich noch an die Zeit, wo du früher stundenlang, in ein Buch vertieft, gelesen hast? Nichts und niemand konnte dich davon ablenken, dieses Buch zu verschlingen. Ich erinnere mich sogar noch daran, dass es Tage gab, wo ich erst abends bemerkte, dass ich seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatte. In den letzten Jahren kommt aber ein anderes Phänomen immer stärker zum Vorschein: die Macht der Zerstreuung. Wie es zu der Zerstreuung der Gesellschaft im Allgemeinen und unserer Aufmerksamkeit im Speziellen kommt und was du konkret dagegen tun kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Eine Bestandsaufnahme

Es ist ein schmuddeliger Sonntag und Manfred freut sich auf einen gemütlichen Lesenachmittag mit seinem neu gekauften Buch. Voller Vorfreude beginnt er das Buch zu lesen. Doch bereits nach ein paar Seiten merkt er, wie seine Aufmerksamkeit nachlässt, die Gedanken flöten gehen und er erwischt sich selbst dabei, wie er plötzlich etwas ganz anderes macht, als er ursprünglich vorhatte. Sein Handy in der Hand haltend, schaut er sich die Webseite an, die er gerade aufgesucht hat und fragt sich: “Wie konnte das passieren? Ich habs ja nicht einmal selbst gemerkt!”

Vielleicht kommt dir diese Situation bekannt vor und du hast dich auch schon öfters dabei ertappt, wie du plötzlich auf Facebook gelandet bist, anstatt wie ursprünglich geplant, deine Aufgabe zu erledigen. Die neuen Gadgets und das Internet haben uns unendlich viele Möglichkeiten eröffnet, an Informationen heranzukommen und diese nahezu sofort nutzen zu können.

Gleichzeitig ist in den letzten Jahren immer stärker zu beobachten, dass die Menschen zerstreut herumlaufen und ein Problem damit haben, sich auf die wirklich Wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Diese Zerstreutheit hat sich in unseren Alltag geschlichen, noch bevor wir ihr wirklich auf die Schliche kommen konnten. Die Auswirkungen sind dabei sehr beunruhigend:

  • Wir fangen viele Dinge an, beenden sie aber nicht.
    Da ist zum Beispiel das Projekt, das wir unbedingt beenden wollen. Wir blocken uns Zeit dafür, um dieses Projekt zu beenden, doch bereits nach ein paar Minuten, lenkt und ein Anruf ab, ein Bing-Ton am Handy, eine Popup-Message am Bildschirm. Noch ehe wir uns versehen, springen wir zu dieser Sache, erledigen sie mal eben schnell und wollen dann zurück zu ursprünglichen Aufgabe zurückgehen. Doch als wir dies vorhaben, spüren wir einen inneren Widerstand. Es fällt uns plötzlich viel schwerer da weiterzumachen, wo wir eben aufgehört haben. Irgendwie kommen wir gedanklich nicht so richtig rein in die Aufgabe. Da bimmelt es schon wieder und die nächste Ablenkung kitzelt unsere Aufmerksamkeit. Meist geben wir auch diesem Impuls nach. Mit diesem Verhalten einhergehend zeigt sich auch die nächste Auswirkung in unserem Leben:
  • Wir verlieren die Fähigkeit, uns nur auf EINE Sache zu konzentrieren.
    Anstatt diese eine Aufgabe fertig zu stellen, springen wir von Aufgabe A zu Aufgabe B, weil sie uns gleich wichtig erscheinen. Mit der Idee, beide zeitgleich zu beenden, machen wir mal hier, mal da etwas und huschen von einer Sache zur nächsten. Am Ende des Tages haben wir uns mit zwei unterschiedlichen Dingen beschäftigt, aber beide nicht wesentlich vorangebracht. Dies ist einer der Hauptgründe für die weitere Auswirkung unserer Zeit:
  • Wir entwickeln mehr und mehr ein vages Gefühl der inneren Unzufriedenheit.
    Indem wir zwischen den Aufgaben hin- und herspringen, uns permanent ablenken lassen, sofort auf die aufkommenden Impulse reagieren, belasten wir unsere Denkfähigkeit enorm. Unser Gehirn ist quasi permanent in Alarmbereitschaft, weil es vorbereitet sein muss auf den nächsten Impuls, der zum sofortigen Handeln aufruft. Indem wir aber ständig unsere Aufgaben in kleine Fitzelchen zerteilen, kann unser Gehirn keinen Fortschritt registrieren. Wie auch, wenn es permanent an der aktuellen Verarbeitung von wechselnden Prioritäten beschäftigt ist. Die Folge ist, dass wir im Tagesverlauf gar nicht mehr wahrnehmen, ob und wieweit wir in unseren Aufgaben vorankommen. Nicht selten haben wir dann das Gefühl, überhaupt nicht vorangekommen zu sein. Das löst Unzufriedenheit aus. Wir haben den ganzen Tag geackert, und das für Nichts? Für kein sichtbares Ergebnis, für keinen Punkt, den wir abhaken können, für keine Belohnung, die wir uns nun gönnen könnten? Wirklich sehr zermürbend.

Aber schau dir allein dein tägliches Verhalten an, wie du mit deinen Emails umgehst. Bist du jemand der nur einmal pro Tag in seinen Email-Account schaut? – Dann herzlichen Glückwunsch! Die meisten anderen Menschen checken ihre Emails 36 mal in der STUNDE, 56 Mal am Tag und verbringen 36 Stunden pro Monat in Meetings, die unnötig sind. Dabei verbringen wir lediglich 11 Minuten pro Tag mit fokussiertem Arbeiten.

Das ist die Realität.

Aber woher kommt das?

Ursachen mangelnder Umsetzungsstärke

Zugegeben, früher gabe es nicht so viele Dinge, die uns von unserer Arbeit ablenken konnten. Viele können sich noch sehr gut an die Zeit ohne Internet erinnern. Der Fernseher und das Radio waren die einzige elektronsiche Ablenkung, die es zu Hause gab. Und auf der Arbeit war es das Telefon, welches auch nicht unbedingt in jedem Büroraum stand. Die Menschen konnten sich abends durch die Nachrichten über Geschehnisse informieren oder es in der Zeitung lesen. Das Phänomen, dass ständig etwas blinkt, bingt, bimmelt oder simmst gab es einfach noch nicht.

Mit dem Eintritt des Internets, der elektronischen Gadgets wie Laptop, Handy, Pad & Co. Erhielten die Menschen mehr und mehr den Zugang zu Informationen. Dies weckte nicht nur die Neugierde des Menschen, sondern auch das Bedürfnis persönlich zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Ein recht positiver Effekt, der sehr bald zu neuen Entwicklungen und einer schnelleren Informationsausbreitung führte. Die Menschen waren begeistert!

Während das Radio 38 Jahre gebraucht hat, um 15 Millionen Zuhörer zu erreichen, schaffte das Fernsehen es bereits in 13 Jahre für die gleiche Anzahl. Als Youtube auf den Markt kam, erzielte es in nur einem Jahr diese Zahl und rate mal, wie lange Angry Birds gebraucht hat?

Gerade mal 35 Tage!

Die zunehmende Vernetzung der Menschen mit Informationen hatte aber auch Nebeneffekte: Dadurch, dass man die Menschen nun auch über elektronischem Wege erreichen konnte, nutzen die Unternehmen diese neuen Kanäle, um ihre potenziellen Kunden zu erreichen. Startups, die sich mit Online-Marketing, Online-Messaging und Online-Communication beschäftigten, sprossen wie Pilze aus dem Boden. Und die Begeisterung der Menschen stieg weiter! Ich erinnere mich noch sehr genau an die Freude meiner über 90-jährigen Oma, die in einem Dorf völlig abgeschieden lebend, dank Internet, endlich ihre Urenkel via Whats App sehen und mit ihnen per Video sprechen konnte. Und heute? Heute quillt mein Account vor Whats App-Gruppen über und ich komme an manchen Tagen kaum hinterher mit den Chats.

Was auf der einen Seite einen positiven Effekt hat, hat auch Effekte auf der anderen Seite. Und diese sind nicht ganz so rosig. Dadurch, dass wir ständig vernetzt sind, sind wir auch permanent für andere verfügbar. Es vergeht kaum ein Tag, wo uns nicht ein Freund eine Nachricht schreibt, die sofort auf unserem Handy als Bing zu hören ist. Kaum ein weiterer Tag, an dem wir nicht während der Arbeit von einen Telefonanruf abelenkt werden. Die Mölglichkeit uns auf schnellem Wege sofort zu erreichen hat sich schon längst zu einem Kampf um Aufmerksamkeit entwickelt. Und wir stecken da mittendrin mit all unseren Gewohnheiten und Schwächen drin und merken nicht mal bewusst, wie uns geschieht.

Folgen des Informationszeitalters

Vielleicht denkst du jetzt, dass das nicht so schlimm ist. Funktioniert doch alles wie geschmiert. Rein äußerlich betrachtet mag dies auch so erscheinen. Was aber in deinem Gehirn während der permanenten Ablenkungen passiert, wissen die Wenigsten.

Dadurch, dass wir uns an diese ständigen Ablenkungen gewöhnen, entwickeln wir neue Gewohnheiten. Wir sind quasi darauf konditioniert worden, ständig auf “Hab-Acht”-Stellung zu sein, es könnte ja eine Ablenkung kommen. Unser Gehirn verwendet also dauerhaft einen bestimmten Teil, um Informationen ständig parat zu halten. Es könnte ja sein, dass du zu der Aufgabe zurückkommst. Dadurch, dass immer ein Teil der Infos zurückbleibt im Zwischenspeicher, verbraucht dein Gehirn unglaublich viel Energie. Du kannst dir das Vorstellen wie beim Rechner: je mehr Informationen der Rechner parallel verareiten muss, desto langsamer wird die Rechnerleistung. Das ist bei uns nicht anders. Deshalb haben wir immer wieder das Gefühl, etwas vergessen zu haben, nicht wirklich etwas geschafft oder vorangebracht zu haben.

Das Fatalste ist aber noch ein weiterer Effekt: indem wir durch die äußeren Einflüsse darauf getrimmt wurden, den Impulsen sofort nachzugeben und nachzuschauen, ob es dringlich ist, wurden wir zu einer neuen “Gewohnheit” erzogen. Das was jetzt passiert, ist aber für unsere persönliche Performance und Umsetzungsstärke das Schlimmste, was passieren kann: wir haben angefangen, uns selbst abzulenken. Die ständigen Impulse haben uns so konditioniert, dass wir uns langweilen und unruhig werden, sobald eine bestimmte Zeitspanne überschritten ist. Das ist genau der Grund, warum du kein Buch mehr zu Ende liest, obwohl du vielleicht die Zeit dazu hättest. Du brichst ab und lenkst dich mit Social Media ab, noch bevor ein äußerer Impuls dich aktiv ablenkt. Dies ist auch der Grund, warum du während der Arbeit zwischen den Aufgaben hin- und herspringst, obwohl du eigenltich die eine Sache zu Ende machen wolltest.

Eine Gesellschaft, die sich selbst wunderbar ablenkt, ist eine Gesellschaft, die verlernt hat, was Produktivität wirklich bedeutet. Und das ist bereits Realität.

Ich schreibe dir dies nicht, um dich zu verschrecken. Vielmehr ist es eine Tatsache, die ich auch an mir selbst beobachtet hatte. Ich hatte mich gefragt, warum ich es nicht schaffe, in die Umsetzung zu kommen, obwohl ich die Zeit dafür habe? Statt dessen habe ich die Wohnung geputzt! Anstatt an meinem eigenen Business zu arbeiten, hatte ich mich hinter den Tasks meiner Kunden verschantzt, mit der Ausrede, dass deren Vorankommen erstmal vorrangig ist. Doch irgendwann bin ich aufgewacht von diesem Selbstbetrug. Das war nicht schön. In Wirklichkeit war es ätzend zu merken, dass man selbst unproduktiv war, obwohl man nach außen Umsetzungsstärke trainiert hatte. Ein Gefühl, als würde man sich selbst und die Menschen da draußen verarschen.

Vielleicht muss man aber auch hinfallen, so richtig unsanft auf seinem Sitzfleisch landen, um die Realität zu erfassen. Ich jedenfalls habe meine Konsequenzen daraus gezogen und mich seither intensiv mit dem Thema Umsetzungsstärke beschäftigt. Gerne begleite ich dich ein Stück auf deinem Weg zurück zu deiner wahren Umsetzungsstärke. Wenn du erlaubst, gebe ich dir Stück für Stück das Wissen, die Tools und Werkzeuge aber auch die Möglichkeit, die du brauchst, um dein wahres Potenzial zu entfachen.

Lass uns gemeinsam beginnen!

Schon im nächsten Teil erfährst du, woran viele Selbständige und junge Unternehmer scheitern und was du konkret dagegen tun kannst.

Ich wünsche dir eine fantastische Zeit!

Sei mutig. Werde großartig und bleib einfach du selbst.

Deine Ewa